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GEGEN DEN STROM - INTERVIEW mit Univ.-Prof. Dr. KURT KOTRSCHAL

Obwohl die Anwendung von Elektroschockgeräten in der Hundeausbildung in Österreich klar verboten ist – sogar ihr Besitz ist strafbar –, gibt es immer wieder Fälle im Training von Jagdhunden, Schutzhunden oder so genannten Wachhunden, wo diese Geräte weiterverwendet werden.

Ein vielschichtiges Problem, zu dem der anerkannte Verhaltensforscher Prof. Dr. Kurt Kotrschal zur gemeinsamen Kampagne Wiener Tierschutzverein und Vier Pfoten ein Kurzinterview gab.

WTV: Woran liegt es, dass Teile der Jägerschaft die Wiederzulassung bereits verbotener Gerätschäften wie z.B. Elektrohalsbändern fordern? 

Prof. Kotrschal: Da müssen Sie die Jäger fragen. Möglicherweise sind mit Elektrohalsbändern  schnellere und nachhaltigere ‚Erfolge’ zu erzielen als mit sanfteren  Methoden. Möglicherweise ist bei vielen Jägern weder der Wille noch die  Zeit vorhanden, sich mit diesen sanfteren Methoden auseinanderzusetzen und mit dem Hund intensiver zu arbeiten. 

WTV: Glauben Sie als Verhaltensforscher, dass verhaltensauffällige Hunde durch Strom therapierbar sind? 

Prof. Kotrschal: Kommt drauf an, worum es sich handelt. Es besteht aber immer die Gefahr, dass die Anwendung von Stromreizen diese Probleme noch verstärkt. Der  Einsatz von Stromstößen ist immer mit Angst verbunden, daher ist eine fachkundige Verhaltenstherapie auf jeden Fall einer ‚raschen Lösung’ durch Einsatz von Strom vorzuziehen. 

WTV: Sehen Sie durch die Bestrebungen von bestimmten JägerInnen, 
SchutzhundesportlerInnen oder ‚StromtherapeutInnen’ eine Gefahr, dass das  gesetzliche Verbot von elektrischen Hilfsmitteln zur  Hundeerziehung aufgeweicht wird? 

Prof. Kotrschal: Natürlich! Anstatt weiter auf den Einsatz von Strom zu setzen, diesem hinterherzuweinen oder sogar illegal zu arbeiten, sollten Jagdhundausbildner ihren Methodenkanon hinterfragen. Es geht immer auch anders, aber dazu müsste man u.a. die Beziehungsarbeit zwischen Jagdhund und Hundeführer intensivieren.

Der Wiener Tierschutzverein und Vier Pfoten fordern strengere Kontrollen und Maßnahmen gegen tierquälerische Methoden in der Hundeausbildung.

Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal leitet das Wolf Science Center (WSC) in Ernstbrunn.


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