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Marder

Der Steinmarder, ein weit verbreiteter, fast unsichtbarer Nachbar.

Vorkommen und Lebensweise


Der Steinmarder (Martes foina), auch Haus- oder Dachmarder, ist bei uns als ausgesprochener Kulturfolger wohl der bekannteste Vertreter der Marder (Mustelidae). Er kommt mit Ausnahme der Britischen Inseln in ganz Europa und großen Teilen Asiens vor. Trotz seiner weiten Verbreitung auch in dicht besiedelten Regionen (er bewohnt auch die Wiener Innenstadt) bekommen wir ihn nur selten zu sehen. Das liegt an seiner dämmerungsaktiven Lebensweise, die diesen etwa katzengroßen Fleischfresser in der zeitigen Morgen- und späten Abenddämmerung aktiv werden lässt. Hinweise auf das Vorkommen des Steinmarders geben die charakteristischen Exkremente, die den überwiegenden Teil des Jahres Kerne verschiedener Wildfrüchte (insbesondere von Kirschen) enthalten und sich oft an exponierten Stellen wie größeren Steinen, Zaunmauern oder Holzstapeln finden. Es sind das Revier- bzw. Grenzmarkierungen, die (zumindest gleichgeschlechtliche) Artgenossen darüber informieren, dass hier „besetzt“ ist.

Unüberhörbar wird die Anwesenheit des Steinmarders, wenn erwachsene Rüden, meist abends während der Paarungszeit im Sommer (Juni bis August), lautstarke Auseinandersetzungen haben; dann sind sie unter Umständen auch unter Verzicht auf jede Vorsicht an belebten Orten zu sehen. Häufiger aber macht sich der Steinmarder bemerkbar und leider auch unbeliebt, wenn er den Dachboden zum Schlafquartier und zur Kinderstube bestimmt. Seine Hauptaktivität überschneidet sich zeitlich mit der Nachtruhe der Hausbewohner, der Marder muss dann oft weichen. Erfahrungsgemäß ist das Einfangen des Ruhestörers schwierig und als alleinige Maßnahme nicht zielführend, weil ein freigewordenes Revier/Quartier sehr bald von einem Artgenossen übernommen wird. Wirklich nachhaltig erweist sich erst eine vollständige und stabile Abdichtung  des Dachbodens/Quartiers (Marder können in dieser Hinsicht sehr hartnäckig sein). Sofern überhaupt erforderlich (der Marder wird sich als Mäuse- und Rattenjäger nützlich machen) sollte die mardersichere Abdichtung jedenfalls zu einem Zeitpunkt erfolgen, wo keine Jungen aufgezogen werden (etwa von März bis Juni) und der Marder sicher außer Haus ist. Andernfalls sind die Welpen bzw. der Marder selbst zum Verdursten/Verhungern verurteilt.

Bekannt ist auch die Vorliebe des Steinmarders für Kunststoffkabel jeder Art. Sehr beliebt sind hierbei Kabel von PKW oder sonstigen technischen Anlagen. Nach der Einschätzung mancher Experten liegt es schlicht an der Neugier bzw. am Erkundungsverhalten des Marders, dass Materialien geeigneter Größe, Form und Konsistenz zerbissen werden (so auch Fahrradreifen im eigenen Keller oder Isoliermaterial), nach anderen Ansichten daran, dass fremde Marder Geruchsmarkierungen z.B. im Motorraum eines PKWs hinterlassen, was beim späteren Schädiger Aggressionen auslöst. Da allerdings auch Jungmarder noch ohne eigenes Territorium bzw. Revierverhalten Kabel und Leitungen zerbeißen, scheint diese Erklärung nicht endgültig überzeugend.

Mögliche Abhilfe schafft ein alter aufgezogener Wecker im Motorraum (diese Methode ließe sich vermutlich auch am Dachboden anwenden).

In der Großstadt weniger ein Problem als im ländlichen Raum ist das Interesse des Steinmarders an Hausgeflügel und anderen Kleintieren wie Kaninchen und Meerschweinchen. Diese Tiere sollten besonders über Nacht in mardersicheren Unterkünften eingeschlossen werden, um Verluste zu vermeiden. In größeren  Kleintierbeständen kann der Marder unter Umständen eine Vielzahl von Opfern fordern: Sein Beutetrieb scheint (unter diesen unnatürlichen Bedingungen) dann erst befriedigt, wenn das hektische Geflatter bzw. Gefiepe und aufgeregte Rennen der Tiere zur Ruhe gekommen ist. Solche Einzelereignisse rücken den Marder aber in ein falsches Licht, da er als Generalist sehr vielseitig in seiner Ernährung ist und vor allem während der warmen Jahreszeit ein großer Teil seiner Nahrung aus Früchten (aber auch Insekten, Regenwürmern u. dgl.) besteht. Es halten sich auch hartnäckig Gerüchte, nächtliche Bissverletzungen bei Katzen würden durch aggressive Marder verursacht. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Marder Katzen grundsätzlich aus dem Weg gehen, Katzen sich gegenüber Mardern dagegen je nach Temperament auch aggressiv verhalten. Der Marder wird zwar versuchen, eine Konfrontation zu vermeiden, sich aber in Bedrängnis durch Beißen verteidigen. In jedem Fall ist die erwachsene Katze dem Marder durch ihr deutlich höheres Körpergewicht (3 kg und mehr gegenüber 1 bis 2 kg) und 4 sehr effektive, krallenbewehrte Tatzen (die der Marder im Kampf nicht einsetzt, er verfügt auch nicht über einziehbare Krallen) weit überlegen, weshalb eine Auseinandersetzung bestimmt nicht im Interesse des Marders liegt.


Marder und Jagd


Sehr bedauerlich ist die Einstellung der Jägerschaft zum Steinmarder. Besonders in Niederwildrevieren mit künstlich hohem Fasanenbesatz wird der Steinmarder als Beutekonkurrent (genauso wie andere Beutegreifer, insbesondere Wiesel, Iltis und Fuchs, daneben auch Krähen- und Greifvögel) als „Jagdschädling“ denunziert und (im Fall der Krähen- und Greifvögel dank EU-rechtlicher Vorgaben nur beschränkt) gnadenlos verfolgt. In den meisten Bundesländern (Jagdgesetzgebung ist Landessache und wird somit von den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt) dürfen die angeführten Säugetiere ganzjährig, d.h. ohne jede Schonzeit verfolgt und getötet werden. Abgesehen davon, dass dieses Töten mutwillig Leben zerstört und natürliche Abläufe behindert, bedeutet das Töten von Muttertieren den sicheren Hungertod ihrer noch unselbständigen Jungen. Es geht dabei nicht nur um blinde Säuglinge. Auch ältere, fast ausgewachsene Jungtiere sind insbesondere beim Marder noch längere Zeit auf die Mutter angewiesen, ohne deren Unterstützung sie hilflos verhungern. Diese Konsequenz erfüllt den Tatbestand der Tierquälerei im Sinn des Strafgesetzes (§ 222 StGB), da den Jungtieren dadurch „unnötige Qualen“ zugefügt werden, es fehlt aber offensichtlich bisher am politischen Willen, solche Auswüchse der Jagd abzustellen.

An dieser Stelle ein Appell an alle Verantwortlichen, nicht nur, eine entsprechende Schonzeit für den Marder festzulegen, sondern selbstverständlich für alle jagdbaren Tiere. Es kann und darf nicht sein, dass es beim Schutz vor Tierquälerei Tiere verschiedener Klassen gibt (Tiere leiden unabhängig von ihrem Sympathiewert).


Krankheiten und Todesursachen


Wie bei allen Wildtieren wird auch die Population des Steinmarders durch eine Vielzahl biologischer Faktoren reguliert, weshalb es dafür keiner menschlichen Eingriffe bedarf: In erster Linie stellt das Territorialverhalten des Marders sicher, dass die Populationsdichte nicht zu einer Übernutzung der vorhandenen Ressourcen führt. Dementsprechend gibt es in ressourcenreichen Lebensräumen kleinere Reviere als in ressourcenarmen. Auch die Verfügbarkeit von geeigneten Schlaf- und Wurfplätzen beeinflusst die Populationsdichte, wobei der Marder diesbezüglich sehr anpassungsfähig ist (diese Anpassungsfähigkeit gilt übrigens für all jene Tierarten, die wir als Kulturfolger kennen).

Weitere Faktoren, die die Bestandsdichte regulieren sind Infektionskrankheiten. Zu den Bedeutendsten gehören Hundestaupe und Katzenseuche. Zwar ist der Marder wie alle warmblütigen Tiere auch für Tollwut empfänglich, er spielt als Überträger aber keine Rolle. Abgesehen davon ist Österreich durch flächendeckende Ausbringung von Impfködern tollwutfrei (seit dem Jahr 2008 von der WHO anerkannt), weshalb das Argument der Tollwutbekämpfung auch beim Fuchs keine Gültigkeit mehr hat.

Eine bedeutende Todesursache ist, wie oben angedeutet, die jagdliche Verfolgung: Laut Statistik Austria wurden in der vergangenen Jagdsaison (2011/2012) 21.536 Marder getötet (die Statistik unterscheidet hier nicht zwischen dem Stein- und dem nahe verwandten Baum- oder Edelmarder). Zahlreiche weitere Opfer fordert der Straßenverkehr (im selben Zeitraum 1.838 Stück, wobei hier mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen ist), und natürliche Gegenspieler wie große Greifvögel (Adler, Habicht), der Uhu, größere Hunde sowie größere Prädatoren wie Luchs und Wolf, die in Österreich allerdings ausgerottet und bisher erfolgreich daran gehindert wurden, sich in annähernd stabilen Populationen wieder anzusiedeln.

Der Steinmarder ist trotz seines zweifelhaften Rufes ein interessanter und bei näherem Kennenlernen liebenswerter Stadtbewohner, der wegen seiner weiten Verbreitung immer wieder als Jungtier in Menschenhand kommt, wenn dieses Hilfe benötigt. Dieses Thema ist deshalb wichtig, weil die artgerechte Aufzucht und Auswilderung (wie bei allen anderen Wildtieren) sachkundig erfolgen muss, um unbeabsichtigte Tierquälereien einschließlich Fehlprägungen zu vermeiden.

Aufzucht und Auswilderung von verwaisten Steinmardern


Als Kulturfolger bewohnt der Steinmarder auch menschliche Wohngebiete. Er ist allerdings nicht an solche gebunden, sondern hat seinen Lebensraum dadurch erweitert (im Gegensatz zu seinem nahen Verwandten, dem Baum- oder Edelmarder, der den Menschen meidet).
Durch die Nähe zum Menschen gelangen - wie bereits erwähnt - Jahr für Jahr Marderwelpen in Menschenhand. Zumeist liegt das am Verlust der Mutter (sie zieht die Jungen allein auf), sodass die noch unselbständigen Jungen bei großem Hunger das Wurfquartier verlassen. Es werden auch ganze Würfe (in der Regel 3 bis 4 Welpen) zufällig beim Entrümpeln des Dachbodens und anderer als Wurfplätze geeigneter Räume gefunden. Einzelne Junge können beim Quartierwechsel verlorengehen. Auch verlaufen sich Jungtiere gelegentlich bei Jagdausflügen mit der Mutter oder dringen in Räume ein, die sie nicht mehr selbständig verlassen können (Keller, Baugruben etc.).
Ältere Jungtiere, die sich unfreiwillig eingeschlossen haben, sollte man in der Morgen- oder Abenddämmerung in der Nähe des Fundortes freilassen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, die Mutter wiederzufinden. Beim Einfangen dieser Tiere muss damit gerechnet werden, dass sie beißen (hier helfen dicke Arbeitshandschuhe); es ist auch mit lautem Gekreisch/Geschrei zu rechnen.

Geraten noch blinde oder unbeholfene Jungtiere in Menschenhand, die sich leicht greifen lassen (d.h. noch nicht geschickt laufen und klettern können), sind diese auf menschliche Hilfe angewiesen. Sofern sich der Standort des Wurfquartiers feststellen lässt, sollte man die Jungen ohne direkten Körperkontakt (d.h. mit Handschuhen/in ein Tuch gewickelt) zurückbringen. Welpen, die zufällig im Nest gefunden werden, lässt man am Fundort, der möglichst unverändert bleibt. Hat man/haben evt. Kinder die Jungen angegriffen, sollte man die Welpen wieder zurücklegen und die Situation am nächsten Tag kontrollieren. In der Regel ist die Mutter mit den Jungen in ein Ausweichquartier umgezogen. Ob die Mutter ihren Nachwuchs, der mit Menschen in Berührung gekommen ist, verlässt, ist fraglich, weil das bei Waschbären und selbst bei Wölfen nicht der Fall ist; es könnten hier aber Faktoren wie das Alter der Jungen und die Erfahrenheit der Mutter eine Rolle spielen.


Die Aufzucht


Die Aufzucht durch Menschenhand sollte nur dann stattfinden, wenn sie unvermeidlich ist. Sie ist zeitraubend, arbeitsaufwendig und birgt die Gefahr von Fehlern mit dem Risiko, dass der Marder die Aufzucht nicht überlebt oder bei ungeeigneter (unvorbereiteter) Auswilderung umkommt. Die Unterbringung in Zoos bzw. Haltung in lebenslanger Gefangenschaft kann nur als Notlösung gesehen werden, sie ist in keinem Fall artgerecht.

Was man in Bezug auf die Aufzucht von Jungmardern wissen sollte:  

1)    Die Jungen sind in den ersten Lebenswochen noch nicht imstande, die Körpertemperatur zu halten. Sie brauchen daher externe Wärmezufuhr in Form einer Heizdecke oder einer anderen Wärmequelle (Thermophor, Wärmelampe). Untertemperierte Welpen schreien anhaltend, bis sich die Körpertemperatur normalisiert hat (nicht zu schnell aufwärmen, da das zu einem Schock führen kann).

2)    Sie brauchen anfangs alle 2 Stunden (Tag und Nacht!) geeigneten, körperwarmen Milchersatz.

3)    Kot- und Harnabsatz müssen durch Anal- und Genitalmassage unterstützt werden.

4)    Einzelaufzucht birgt die Gefahr der Fehlprägung; ebenso häufiger Kontakt mit mehreren Personen (wird der Welpe bis zur späteren Auswilderung von einer Einzelperson betreut, behält er die angeborene Scheu vor fremden Menschen; im anderen Fall verallgemeinert er seine Vertrautheit Menschen gegenüber und ist dann nicht mehr freilassbar). Ein Verlust der angeborenen Scheu kommt unter entsprechenden Bedingungen auch gegenüber Hunden, Katzen und anderen Haustieren zustande, was insbesondere im Fall von Hunden später tödlich sein kann.

5)    Die Auswilderung nimmt einen Zeitraum von mehreren Monaten in Anspruch, weil der Marder sich verhältnismäßig langsam entwickelt und schon unter normalen Umständen Monate braucht, selbständig zu werden. Ohne Anleitung durch die Mutter dauert dieser Prozess wesentlich länger (bessere Voraussetzungen bringt hier die gemeinsame Auswilderung von mehreren Jungtieren, weil diese über längere Zeit in der Gruppe bleiben; sie können dann voneinander lernen und profitieren vom Schutz der Gruppe). Ein Marder, der ohne entsprechende Vorbereitung in unbekannter Umgebung ausgesetzt wird, dürfte schlechte Überlebenschancen haben: Abgesehen von dem Problem, völlig unerfahren in der Selbstversorgung zu sein (er weiß weder, wo er Beute findet, noch wie er sie überwältigt bzw. dass sie u.U. wehrhaft sein könnte) kennt er hier noch keine Fluchtrouten und Schlafplätze und wird fremden Revierbesitzern begegnen, die seine Anwesenheit nicht dulden. Man darf die körperlichen Fähigkeiten nicht mit den geistigen gleichsetzen, die beim Marder stark von Lernprozessen abhängig sind.

Erfahrungsgemäß kommen Marderwelpen etwa in der Zeit von Anfang April bis Anfang Mai mit Körpergewichten von 100 bis ca. 300 g (etwa 3 bis 5 Wochen) in Menschenhand. Mit 4 bis 5 Lebenswochen öffnen sich die Augen. Für die Aufzucht hat sich Muttermilchersatz für Katzen von Gimpet oder Royal Canine (erhältlich im Zoofach- bzw. Tierbedarfshandel) bewährt. Keinesfalls darf laktosefreie Katzenmilch zur Aufzucht verwendet werden. Sie ist für erwachsene Katzen gedacht und deckt nicht den Bedarf von Säuglingen (Marder- oder Katzenwelpen verhungern dabei mit vollem Magen). Die Aufzucht sollte Tierschutzeinrichtungen oder in der Aufzucht von Jungtieren erfahrenen Personen überlassen werden, weil dort auch größere Chancen bestehen, dass mehrere Welpen gemeinsam großgezogen werden. Sie entwickeln dann keine Verhaltensstörungen Artgenossen gegenüber und finden sich in Freiheit besser zurecht.
Die Zufütterung von Fleisch (Faschiertes, klein geschnittenes Hühnerfleisch) beginnt, sobald die Welpen anfangen, am Saugaufsatz der Trinkflasche zu kauen. Mit zunehmendem Alter nehmen die Welpen auch tote Eintagskücken (männliche Kücken fallen in der Legehennen„produktion“ zu Tausenden leider als „Abfall“ an) und Kleinsäuger einschließlich Fell und Knochen. Die Fütterung sollte möglichst naturnahe sein, d.h. auch verunglückte Kleintiere/Kleinvögel (z.B. Straßenopfer) und Wildfrüchte (vor allem Kirschen) beinhalten, damit der Marder auf das natürliche Nahrungsangebot vorbereitet wird.


Die Auswilderung


Wesentlich aufwendiger als die Aufzucht ist die Auswilderung der schon fast ausgewachsenen Jungmarder: Es braucht dafür eine sichere Unterbringung, die einem „natürlichen“ Marderquartier möglichst nahekommen sollte (z.B. Dachboden, Scheune, Gartenhütte). Die Auswilderung über Wohnräume, Keller etc. birgt die Gefahr, dass der Marder diesbezüglich geprägt wird und dadurch später mit Menschen vermehrt in Konflikt gerät. Die Marder sollten sich an diesen Ort als Quartier und Futterstelle zumindest 2 Wochen gewöhnen können, bevor sie die Möglichkeit zum Freigang bekommen (am besten über eine kleine Öffnung, die es natürlichen Feinden und artfremden Nahrungskonkurrenten unmöglich macht, einzudringen). Nach unseren Erfahrungen ziehen sie nach wenigen Tagen aus, kehren aber über Monate (lange Zeit täglich, später mit Unterbrechungen) meist bis zum Jahresende zurück, um ausgelegtes Futter zu holen. Zumindest Einzeltiere aus gemeinsam ausgewilderten Gruppen nutzen das Futterangebot bis in das Frühjahr des Folgejahres. Schon nach wenigen Wochen verrät nur die geleerte Futterschüssel und eventuelle Marderlosung die Anwesenheit der Jungmarder. Sie zeigen sich dann scheu und beschränken ihre Besuche auf die zeitige Morgen- und späte Abenddämmerung. Dieser lange Zeitraum zwischen dem Beginn der Auswilderung und ihrem Abschluss ist ein Indiz, dass Jungmarder zumindest bei Handaufzucht auf diese Art der Unterstützung angewiesen sind.

Da geeignete Auswilderungsplätze schwer zu finden sind und sich nur wenige Menschen bereitfinden, die Anforderungen der Auswilderung auf sich zu nehmen, ist dieser Abschnitt der Schwierigste. Erfolgt die Freilassung von mehreren Mardern immer wieder vom selben Ort, nehmen Probleme mit der menschlichen Nachbarschaft zu und wird es für die freigelassenen Marder zunehmend schwierig, geeignete, noch unbesetzte Reviere zu finden. Es wäre deshalb wichtig, immer neue Auswilderungsplätze zu finden. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass Jungmarder in ihren Schlafquartieren wenig von Hygiene halten (Exkremente werden aber bevorzugt in Ecken abgesetzt), nächtlichen Lärm verursachen, Hauswände senkrecht hochklettern können und nicht nur Kabel im Motorraum von PKWs durchbeißenkönnen. Sie sind auch bei Kleintier- und Vogelhaltung problematisch (bei entsprechender Absicherung, die bei Haltung im Freien schon wegen anderer Wildtiere nötig ist, aber kein Problem).

Hat man aber einmal Gelegenheit gehabt, sie kennenzulernen, wird man ihnen das alles gerne nachsehen.

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