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Nicht ohne meinen Katzenkumpel!

VON: Daniela Horvath und Katharina Hadek – Katzenpflegerinnen im Wiener Tierschutzhaus
Ein Bericht über den Mythos "Katze als Einzelgänger", die negativen Auswirkungen der Einzelhaltung, Vorteile der Paarhaltung und eine Aufklärung über die Katzenvergabekriterien im Wiener Tierschutzverein.

"Katze als Einzelgänger"

Leider ist diese Behauptung in manchen Fällen richtig. Aber Katzen sind nicht von Natur aus Einzelgänger, sondern vielmehr werden sie vom Menschen zu solchen gemacht. Der Mensch hat das Jagdverhalten von Katzen (Katzen sind in der Tat "Einzeljäger") auf das gesamte Sozialverhalten dieser Art umgemünzt und ihr so einen schwer abwaschbaren Stempel als Soziopath verpasst. Weiters gestützt wurde dieser Mythos durch das ablehnende, oft aggressive Verhalten, das ältere Katzen an den Tag legen, wenn sie auf revierfremde und ihnen unbekannte Artgenossen stoßen. Beobachtet man aber das Sozialverhalten der Katze in ihrer rudimentärsten Form, nämlich anhand von verwilderten Artgenossen, erkennt man, dass diese sich in einem Rudel zusammenschließen, also durchaus sozial leben. Auch die gewöhnliche Haus- und Hofkatze sucht beim Freigang den Kontakt zu ihren Nachbarkatzen, egal ob zum Spielen oder um zu streiten, Sozialkontakt ist wichtig.

Negative Auswirkungen von Einzelhaltung

Ein wesentlicher Faktor, wie Katzen vom Menschen zu Einzelgängern gemacht werden, ist, dass viele Katzen bereits mit rund acht Wochen von Mutter und Geschwistern getrennt werden und fortan allein mit dem Menschen leben. Dabei geht den Katzenkindern das soziale Lernen mit der Mutter und den Geschwistern komplett verloren. Das kann der Mensch bei aller Liebe nicht ersetzen. Die Katzenkinder lernen keine Katzensprache und ganz nach dem Motto "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" ist die Katze, wenn sie später mal auf Artgenossen trifft, nicht in der Lage, sich mit ihnen zu verständigen. Angst, Aggression und Ablehnung sind die Folge. Die Katze ist unverträglich. Eine Katze lernt durch das Balgen mit den Geschwistern sich selbst und die körpereigenen Kräfte zu kontrollieren, zum Beispiel wie fest sie beißen darf, bis es vom Spielpartner mit Wehklagen und Pfotenhieben beantwortet wird. Fehlt dieser wichtige Entwicklungsschritt, kommt es häufig zu unangepasst aggressivem Verhalten dem Menschen gegenüber bis hin zu schweren Verhaltensstörungen der Katze. Eine zwar weniger aggressive, aber nicht minder schlimme Auswirkung der Einzelhaltung ist die Vereinsamung der Katze. Während der einzige Sozialkontakt der Katze, der Mensch, acht bis zehn Stunden am Tag arbeiten geht, bleibt sie allein in der Wohnung zurück. Folgen von Langeweile sind oftmals Unsauberkeit, Zerstörungswut, Appetitlosigkeit, Depressionen und Verhaltensstörungen. Die gleichen Probleme können auftreten, wenn eine Katze zeitlebens einen Katzenpartner hatte und von diesem aber durch Tod oder andere Umstände getrennt wird. Ein weiteres Zeichen dafür, dass Katzen durchaus in der Lage sind, längerfristige soziale Beziehungen zu führen.

Vorteile von Paarhaltung - zu zweit doppelt Spaß!

Zwei miteinander harmonierende Katzen in der Wohnung sind ausgeglichener, da sie miteinander spielen und kommunizieren können. So kann man die Tiere auch mal ohne schlechtes Gewissen allein lassen. Natürlich bedeuten zwei Katzen auch eine doppelte finanzielle Belastung hinsichtlich Futter, Streu und Tierarztkosten. Aber wir haben auch eine gewisse Verantwortung dem Tier gegenüber, es artgerecht zu halten. Kann man sich nur eine Katze leisten, sollte man aus Rücksicht auf das Tier eine etwas ältere, bereits unverträgliche Katze nehmen, die gerne allein leben möchte und auch mal allein gelassen werden kann. Für ein Katzenkind, dem noch die soziale Entwicklung fehlt, sowie für ein Tier, das den Kontakt zu anderen Katzen sucht, wäre es in diesem Fall besser, nicht bei uns einzuziehen.
Nicht ohne meinen Katzenkumpel

Wer zu Wem?

Wichtig ist, dass der Altersunterschied zwischen den Katzen nicht allzu groß ist, vor allem wenn nur zwei oder drei Tiere zusammenleben. Katzen unterschiedlichen Alters haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse hinsichtlich Spielverhalten, Schlafphasen usw. Ist der Unterschied zu groß, gelingt eine Zusammenführung oftmals nicht, weil die ältere Katze von der Jüngeren nur genervt ist. Hier kursiert immer noch der Mythos, der Einzug einer Babykatze wäre für die ältere Katze einfacher, da sie das Baby nicht als Bedrohung ansieht. Da bei Katzen Welpenschutz sich allerdings immer nur auf den eigenen Nachwuchs bezieht, erweist sich diese These in den meisten Fällen als falsch.

Ausnahmefälle

Dieser Bericht soll auf keinen Fall Einzelkatzenbesitzern, die seit Jahren mit ihrem Stubentiger allein leben, das Gefühl vermitteln, dass es der Katze nicht gut geht. Die Katze ist es gewohnt, der Mittelpunkt ihrer Welt zu sein und genießt bestimmt die alleinige Aufmerksamkeit. Sie würde bestimmt protestieren, würde sie nun einen Artgenossen vorgesetzt bekommen. Auch wir im Wiener Tierschutzverein vermitteln Einzelkatzen, die keine Artgenossen kennen oder diese nicht mögen, auf einzelne Wohnungsplätze.
Wir bitten mit diesem Artikel nur um ihr Verständnis, dass wir nicht jede Katze einzeln vermitteln können, da uns als TierSCHUTZverein eine artgerechte Haltung am Herzen liegt und daher

  • Babykatzen nicht allein vergeben werden
  • Pärchen nicht (oder nur in Ausnahmefällen) getrennt werden
  • verträgliche Katzen nur als Zweitkatzen abgegeben werden

Quellenverzeichnis:
Schroll, Sabine "Aller guten Katzen sind...?", Verlag Videel OHG, Niebüll, 2003
www.tierschutz.com
Studie von Dr. Dennis C. Turner, Universität Zürich

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